Strategiekarten für Lehrkräfte – Autismus & Overload/Meltdown

Autismus

Strategiekarten Autismus als PDF zum Download

Der „Overload“ ist bei Menschen mit Autismus eine starke Reizüberflutung.

Zu viele Sinneseindrücke auf einmal können das Nervensystem überfordern. Ein Overload fühlt sich oft so an: Konzentration, Kommunikation und zielgerichtetes Handeln werden schwierig. Betroffene sind gestresst, ziehen sich zurück oder versuchen, der Situation zu entkommen.

Ein Meltdown ist eine Art Zusammenbruch, bei dem der Mensch mit Autismus die Selbstkontrolle verliert und heftige Reaktionen hat.

Das kann zum Beispiel Schreien, Weinen, Wutausbrüche, Wegstoßen, sich selbst schlagen oder gegen Dinge treten sein. Das ist keine Trotzreaktion, sondern eine Reaktion auf extreme Überforderung und Verzweiflung. Dieser Zustand kann den Betroffenen physische Schmerzen verursachen und sollte daher möglichst vermieden werden.

Handlungsplan

Ein Handlungsplan für Lehrkräfte kann helfen, die Situation im Vorfeld zu beruhigen, wenn erkennbar bereits Unruhe beim Kind entstanden ist, ohne dass es zum „Meltdown“ kommt. Der Handlungsplan teilt sich in folgende Schritte, die sich als kurze Merkkarten zurechtlegen lassen:


Karte 1: Frühwarnsignale erkennen

Achte auf:

  • Hände auf den Ohren
  • Blickabwendung
  • Erstarren / Rückzug
  • schnelle Atmung, Anspannung
  • Fidgeting / motorische Unruhe

Handeln: => Reize reduzieren, Pausenoption anbieten.


Karte 2: Sprache minimieren

Regel:
Wenige Worte – klare Botschaften
Sag kurz und klar:

„Du darfst Pause machen.“
„Geh bitte zum Ruheort.“

Vermeide:
Diskussionen
„Warum“-Fragen
mehrere Infos auf einmal


Karte 3: Reizarme Deeskalation

Sofortmaßnahmen:

  • Abstand halten (1–2 Meter)
  • ruhig bleiben, keine Berührungen
  • Licht/Lärm reduzieren
  • Mitschüler*innen ablenken (Gruppenarbeit starten)

Karte 4: Rückzug ermöglichen

Wenn Wut steigt:
Pausenkarte/visuelles Signal zeigen
Schüler*in ohne Kommentar gehen lassen
Ruheort sicher und vorbereitet
Timer bereitstellen


Karte 5: Sicherheit gewährleisten

Kein körperlicher Kontakt
Kolleg*in/Assistenz einbeziehen bei Bedarf
Raum ruhig halten
Nur eingreifen, wenn Selbst- oder Fremdgefährdung besteht


Karte 6: Visuals nutzen

Piktogramm „Pause“ zeigen
Timer sichtbar starten
Strategiekarten für das Kind bereithalten
=> z. B. „Atmen“, „Ball drücken“, „Ohren schützen“


Karte 7: Rückkehr erleichtern

Keine Nachfragen sofort nach der Rückkehr
Kurze, neutrale Rückmeldung:

„Schön, dass du wieder da bist.“

Ruhiges Wiedereingliedern in die Aufgabe


Karte 8: Später kurz reflektieren

(2–3 Minuten, wenn das Kind stabil ist)

„Was hat dir geholfen?“ „Was brauchen wir nächstes Mal?“

Notizen für den Förderplan


Karte 9: Prävention im Unterricht

  • reizreduzierter Sitzplatz
  • feste Struktur, Visualisierung
  • Veränderungen vorher ankündigen
  • sensorische Hilfen zulassen
  • regelmäßige Mikro-Pausen